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Entdecken - Die Burgen - Die Burgenroute  SCHLOSS WALDENBURG (Kettenis)  Druckansicht
Liste der Burgen

 

SCHLOSS WALDENBURG (Kettenis).

Unweit der Brigida-Kapelle von Merols, an der über den Höhenzug zwischen Kettenis und Walhorn führenden alten Römerstrasse Membach-Kornelimünster, der heutigen Hochstrasse, liegen zwei grössere Häuser, und zwar das Philippenhaus und das Waldenburgshaus, beide entstanden aus dem Stocklehen und Schloss Merols, dem ursprünglichen "Hooghuys" von Merols, das ein Lehen des Aachener Marienstiftes war. Seit 1589 unterscheidet man zwischen Hof Merols (später Hagenhaus, heute Philippenhaus) und Schloss Merols (Waldenburgshaus).

Letzteres verdankt seinen Namen der Familie von Waldenburg, die 1661 als Eigentümerin des Hauses erscheint.

Die Geschichte der Burg Merols lässt sich in den Lehensregistern des Aachener Marienstiftes bis ins Ende des 14. Jh. zurückverfolgen. Der erste uns bekannte Besitzer war Johann P(a)rys von Rabotrath. Er starb 1397. 1476 erwirbt die Burg Johann Bertolf von Belven. Die folgenden Besitzer sind der gleichnamige Enkel, sodann der Urenkel Simon Bertolf von Belven. Dessen Tochter Odilia heiratet den Junker Wilhelm Crümmel von Rave, der die Burg 1528 releviert und sie seinem Sohn Balduin bei dessen Heirat (1560) schenkt.

Balduin Crümmels Tochter Christine heiratet Johann von Horpusch, der die Burg 1589 dem Dietrich Bertolf von Belven und dessen Gattin Christine von Hanxler überlässt. Deren Sohn und Erbe Simon Bertolf von Belven war Kanoniker des Marienstiftes von Aachen. Die Erben verkaufen das Haus im Jahre 1626 an den Junker Heinrich von dem Hof (van den Hove) genannt Carsfeldt und dessen Gattin Barbara Schuyl aus Walhorn. Nach dem Tode ihres Mannes geht letztere eine neue Ehe ein mit Laurenz de Meuth, Leutnant in spanischen Diensten, der das "Hooghuys" 1637 releviert.

Aus dieser Ehe stammt eine Tochter, die mit Isaac Paneman verheiratet war und im Jahre 1661 ihr Erbe dem Kavallerieoberst André von Waldenburg und dessen Gattin Katharina Zinnerbade verkauft. Nach dessen Tod kommt die Burg an den Sohn Johann Franz von Waldenburg, seines Zeichens kaiserlicher Generaloberst. Er schenkt oder überlässt das Haus im Jahre 1696 seinem Bruder Maximilian Wilhelm Hubert von Waldenburg, Meier von Eupen 1721-1727, der im ersten Viertel des 18. Jh. dem Besitz auch seinen heutigen Namen gibt.

Obschon zweimal verheiratet, scheint der neue Besitzer doch ohne direkte Erben gestorben zu sein, denn Haus Waldenburg fiel an den ältesten Neffen, Hyacinth Joseph André von Waldenburg, Kapitän im österreichischen Regiment des Feldmarschalls Königseck, verheiratet mit Marie Françoise de Royer von Libermé.

Dieser überlässt Waldenburg im Jahre 1773 seinem Schwager Jakob Alexander de Royer, Besitzer des in der Nähe liegenden "Hofs Merols" , des heutigen Philippenhauses, der das Anwesen im Jahre 1776 den Gebrüdern Nikolaus Johann und Peter Franz von Hodiamont verkauft. Der Erstgenannte heiratet 1788 die Baronin von Fromenteau von Ruyff.

Waldenburg kommt auf dem Erbwege an den schon genannten Nikolaus Johann von Hodiamont sowie an die beiden Töchter des Peter Franz von Hodiamont, Charlotte Angéline und Sophie Lambertine von Hodiamont.

Während die Erstgenannte ledig blieb, heiratete die zweite Wilhelm Anton Johann Joseph de Résimont von Schloss Bempt in Moresnet. Diese Eheleute hatten sechs Kinder, in deren Besitz Waldenburg lange Jahre verblieb.

Laut notarieller Urkunde vom 30.8.1905 beschlossen diese Erben, d. h. Alfons, Viktor, Zénon und Marie de Résimont sowie Emma, verheiratet mit Baron Voorst tot Voorst, und die drei Kinder des schon verstorbenen Bruders Constantin eine einstweilige Teilung des von den Eltern und der Tante mütterlicherseits hinterlassenen Vermögens. Waldenburg kommt 1907 an die beiden Töchter des verstorbenen Constantin von Résimont, Henriette und Victorine de Résimont.

Die beiden Damen mussten sich aber 1918 wegen zu hoher Schuldenlast des Besitzes wieder entledigen und verkauften Waldenburgshaus an Herrn Julius Keller, der es 1920 an Andreas von Cortenbach weiterverkaufte. Bei dessen Tod im Jahre 1946 erbten es die Witwe und die vier Kinder Therese, Mathilde, Ernst und André Franssen von Cortenbach. 1966 erwarb es von den Erben des Herrn Ernst Franssen von Cortenbach der Stolberger Industrielle, Konsul Kurt Emil Adolf.

Von der ersten Anlage von Burg Merols, die ihren ursprünglichen Namen "Hooghuys" entweder von der Lage oder vom äusseren Erscheinungsbild einem mittelalterlichen Wohnturm - bezog, ist nichts geblieben.

Die grössten Um- und Anbauten erfuhr Waldenburgshaus durch Andreas von Waldenburg, der das Haus von 1661 bis zu seinem Tode am 2. Juli 1694 besass. Er liess nicht nur, wie aus Zahlen- und Wappensteinen hervorgeht, neue Wirtschaftsgebäude errichten; auch das Schloss bekam damals sein heutiges Aussehen.

Die Gebrüder Nicolaus Johann und Peter Nic. Franz von Hodiamont "erneuerten und verschönerten nicht nur das Schloss, sondern auch den Hof, der nunmehr aus zwei Höfen besteht, legten einen schönen Garten an, welchen sie mit Bäumen von wohlschmeckendem Obste, Weinstöcken etc. versahen, und der überaus anmutig und zierlich eingerichtet ist. Spaziergänge, von hohen Baumreihen eingefasst, verzieren die angenehme Umgebung. Teiche(n), gut geleitet, umgeben Garten und Schloss. Gewiss ist dieses Eins der schönsten Schlösser des Kreises und bietet einen genussreichen ländlichen Aufenthalt dar. Die freundliche Frau Witwe von Hodiamont und eine ihrer lieben Töchter bewohnen dasselbe?

Worin die in vorstehenden Zeilen von Ch. Quix genannte "Erneuerung und Verschönerung" des Schlosses bzw. die vorgenommenen baulichen Änderungen bestanden haben, lässt sich leider nicht genau feststellen.

Am Samstag, dem 13. Dezember 1975, gegen 21 Uhr wurde Waldenburgshaus durch einen im Dachstuhl ausgebrochenen Brand schwer beschädigt. Der damalige Eigentümer, Konsul Adolf aus Stolberg, war bei Brandausbruch im Jagdzimmer im Parterre; das Hausmeisterehepaar Ernst das das obere Stockwerk bewohnte, war abwesend.

Draussen herrschte eine Temperatur von minus 7 Grad, was die Löscharbeiten der Feuerwehr erheblich erschwerte. Hinzu kam, dass der grosse Vierwagen der Feuerwehr die zu niedrigen Tore der Wirtschaftsgebäude nicht passieren konnte, so dass die Wehrmänner den Brand nicht von oben bekämpfen konnten und ihnen nichts anderes übrig blieb, als mit behelfsmässigen Pumpen von innen gegen das Feuer anzugehen.

Der Brand zerstörte kostbare Möbel und andere wertvolle Kunstgegenstände, wobei das gefrierende Wasser den entstandenen Schaden noch vergrösserte.

1977 erwarb Herr Alfons Knauf aus Aachen die Schlossruine, die er stilgerecht wieder aufbauen liess. Gleichzeitig wurden auch die verlandeten Wassergräben wieder entschlammt. Diese werden von Norden durch Oberflächenwasser gespeist und besitzen einen Überlauf nach Süden, zum ehemaligen Steinbruch hin.

Leider war in der Zwischenzeit ein besonderes Kleinod von Waldenburgshaus verloren gegangen. Es handelt sich um den berühmten Stucksaal des Italieners Gagini aus dem Jahre 1805. Die kostbaren Stuckarbeiten hatten den Brand und die Wasserschäden zwar überlebt, waren dann aber über mehr als ein Jahr den Witterungseinflüssen schutzlos ausgesetzt gewesen. Die Stuckreliefs wurden herausgetrennt und verschwanden ...

Von aussen lässt das heute wieder aufgebaute Haus, das seit 1983 im Besitz von Familie Magis ist, die Katastrophe vergessen. Mit einer Freitreppe an der Südseite und den im Stile Louis XIV gehaltenen Fenstern an der zur Hochstrasse hin gerichteten Nordseite macht der Herrensitz aus Feldbrand über Blausteinsockel unter mächtigem Walmdach trotz einfacher Linienführung einen beachtenswerten Eindruck, der noch durch die langgestreckten Wirtschaftsgebäude aus Kalkstein harmonisch abgerundet wird.

Die Familie von Waldenburg hatte, wie viele andere Familien des Walhorner Landadels, eine Grabstätte in der Walhorner Pfarrkirche besessen, die sie mit dem Schloss, dem Krümmel-Lehen, erworben hatte. Sie lag im Mittelgang, rechts neben dem der Familie gehörenden Stuhl.

Die Hodiamonts nennen ganz bewusst ihr Haus"Schloss Merols".

An die früheren Besitzer von Waldenburgshaus, die Familie von Hodiamont, erinnert ein neugotisches Grabmal auf dem Walhorner Friedhof.

Aus "LES DELICES DU DUCHE DE LIMBOURG von Guy POSWICK" und Zeitschrift "Im Göhltal".


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