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Dialekt und Landessprache

Nach den wiederholten Invasionen der Deutschen in beiden Weltkriegen, besonders aber auch nach Hitlers Dekret vom 23. Mai 1940, wurden die "platt" sprechenden Gemeinden zwischen Montzen und Baelen als fester Bestandteil Deutschlands betrachtet und zwar aus folgenden Gründen:

1. Der "platte" Dialekt, von den Eingesessenen "platdütsch" benannt, um es vom Hochdeutsch zu unterscheiden, der sich seit dem 17. Jahrhundert entwickelt hatte.

An sich ist der sehr alte Begriff dütsch in den Gebieten Outre-Meuse und auch dietsch im Brabantischen für eine ganze Reihe nieder-fränkischer Dialekte benutzt worden, bevor Luthers Sprache seinen Aufschwung nahm.

Ein unvermeidlicher Beweis liegt darin, dass das englische Dutch nicht etwa "Deutsch" sondern "Niederländisch" bedeutet.

Um somit gewisse Pseudo-Wissenschaftler zu korrigieren, kann man nur oft genug in philologischen Veröffentlichungen darauf verweisen, dass man unsere niederfränkischen Dialekte weder als deutsch noch als niederländisch einordnen sollte, " niederfränkich-ripuarisch", wie man in moderner Betrachtensweise sagen sollte.

So ist für den Philologen, das Lütticher Reden kein französischer Dialekt, sondern wohl romanisch.

2. Die offizielle Kultursprache sei immer Hochdeutsch gewesen.

Hier hat der sprachliche "Imperialismus" fälschlicherweise nun wirklich nur eine Facette unserer Region genannt, die aus Tradition multi-kulturell ist.




Die Sprachenvielfalt im privaten und öffentlichen Leben soll natürlich nicht das Sprachenstatut in Frage stellen, welches die Bevölkerung selbst gewählt hat. 
(siehe zu diesem Thema folgende Rubriek "BLEYBERG")


Diese umfassende Situation ist an sich kaum wissenschaftlich unterlegt worden, da sich die Politik oft genug einmischt; aber sie verdient es, aus historischer Sicht beleuchtet zu werden.

Gegenüber dem, was manche Autoren vorgeben, war es nicht der Vertrag von Versailles, sondern der Wiener Kongress von 1815, der unsere Region zerstückelt hat. Durch Wien nämlich wurde das alte Herzogtum Limburg in der Mitte durchgeschnitten, ohne Rücksicht auf alte Bande wirtschaftlicher oder sprachlicher Art.

Also, vor dem Auftreten des Nationalismus des 19. Jahrhunderts, der drei zerstörerische Kriege 1870,1914 und 1940 mit sich brachte, war diese Region ein "Land ohne Grenzen" welche sich seit der burgundischen Epoche sprachlich erfreulich entwickelt hatte. In der Folge dann verbannte ein sprachlicher "Imperialismus" der Besatzungsmacht, während zweier Weltkriege, sowohl französisch als auch Platdütsch in ihren Zonen. Die Priester allerdings griffen auf die alten Sprachen zurück, um deutsch zu vermeiden, welches ihnen vom Feind auferlegt war.

Als logische Konsequenz dieses psychologischen Drucks verlor dann das Deutsche in den Gegenden von Montzen-Baelen, im südlichen Limburg, bei Arlon, sowie in Elsass-Lothringen seine Bedeutung. Auch für die Zeitschrift - Die fliegende Taube - aus Aubel, belgischer Herkunft, deutscher Kultur, bedeutete dies 1951 das "Aus".

So blieb das Herzogtum Limburg immer ein Grenzgebiet intensiver sprachlicher Kontakte. Sie haben sich meistens in verschiedenen Lebensbereichen gehalten oder entwickelt.

Brabantisch und französisch sind dann auch bis zum Ende der napoleonischen Zeit als Verwaltungs- und Gerichtssprache sowohl in Raeren und Eupen als in Baelen und Montzen angewandt worden. Das Deutsche hingegen ersetzt als "Kult"sprachen das Ripuarische in den Banken von Baelen, Montzen und Walhorn. Allerdings stellt sich bei einer Durchsicht der Sprache auf Grabkreuzen, dass doch eine Reihe von Personen das Brabantische oder Französische dem Deutschen vorgezogen hat.

Die gesprochene Sprache (Volkes Stimme) bleibt aber auf jeden Fall der regionale Dialekt, der seit langem seine ursprüngliche Struktur erhalten hat, wenn es auch inzwischen dabei unterschiedliche Einflüsse gibt.

Die französische Gemeinschaft in Belgien hat dann auch ein Dekret erlassen, welches den regionalen Sprachen Rechnung trägt.

(Herr Dr. Wintgens ist in eine Kommission berufen, welche sich mit diesen Dialekten, wie auch anderen ähnlichen, befasst; diese Zeilen entstammen auszugsweise seiner Feder).


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