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Geschichte - Burgen (verschwundene oder verfallene)   SCHLOSS ALENSBERG  Druckansicht

 

SCHLOSS ALENSBERG (Moresnet).

Bis zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verlief das Leben in Moresnet und auf dem Herrensitz Alensberg in der Nähe der Eisenbahnbrücke in ruhigen und geordneten Bahnen. Dann aber, am 10. Mai 1940, - die damaligen Besitzer hatten das Schloss zeitig verlassen - , wurde der alte Adelssitz von der Besatzungsmacht requiriert und im Zuge der weiteren Kriegsereignisse von ausgebombten Zivilpersonen belegt. Unterwohnung und Verwahrlosung des Gebäudes waren die Folgen.

Das reiche Mobilar, Kunstgegenstände und wertvolle Gemälde, fanden, wie in Kriegszeiten üblich, neue Besitzer.

Am 10. September 1944, als die abrückenden deutschen Truppen den mächtigen Moresneter Eisenbahnviadukt sprengten, wurde Alensberg derart in Mtlidenschaft gezogen, dass der Besitzer es bis auf den Turm abreissen liess.

Nach dem Abbruch aller Anbauten bot Alensberg wieder den Anblick eines spätmittelalterlichen Wohnturms. Bis zur 2. Enge des fünfstöckigen Baues haben die Mauern eine Dicke von 1,80 m. Im 1. Stock befindet sich ein Raum mit gewölbter Decke. Das Dach ruht auf einem leicht vorspringenden Mauerkranz.

Als Wohnturm mit Wassergräben geht Alensberg wohl auf die Mitte des 15. Jh. zurück. Erbauer soll Johann von Alensberg gewesen sein. Die Familie von Alensberg wird erstmals im 14. Jh. urkundlich erwähnt.

Johann von Alensberg und Arnold von Tzevel werden 1467 im Zusammenhang mit dem Galmeiabbau in Kelmis genannt.

Zu Beginn des 11 Jh. gehörte die Herrschaft Alensberg der Johanna von Tzevel, die durch ihre Heirat mit Johann von Dobbelstein, Herr der Eyneburg, Alensberg dem Hause Dobbelstein einverleibte. 1517 kam es zu einer Teilung unter die Gebrüder Johann Arnold und Arnold Adam von Dobbelstein. Die Dobbelsteins blieben Besitzer von Alensberg bis um die Mitte des 17. Jh., als das Gut durch Heirat an Alexander von Straet kam, dessen Schwester Isabelle Arnold Schuyl von Walhorn heiratete und dessen Neffe Michel Henri von Walhorn-Straet Alensberg erbte.

Alexander von Straet, Forstmeister des Herzogtums Limburg, hatte die Herrschaft Moresnet am 31. Dez. 1648 vom spanischen König Philipp IV. gekauft. Damals bekam das Haus Alensberg das bis ins 19. Jh. erhaltene Aussehen. Die Wassergräben um den Turm wurden angefüllt und das grosse Herrenhaus an den Turm angebaut.

1746 ging der Besitz durch testamentarische Verfügung des Wilhelm von Straet an Pierre Godefroid Ignace de Lasaulx (1695-1767) über. Dessen Neffe Peter Olivier Albert de Lasaulx (1728-1798) heiratete die aus Brilon in Westfalen stammende Marie E.-J. von Mylius. Aus dieser Ehe stammt ein Sohn: es ist der wohlbekannte erste Bürgermeister von Neutral-Moresnet, Arnold von Lasaulx, der am 21 Jan. 1774 auf Schloss Alensberg geboren wurde, als "citoyen" Lasaulx 1802 "Maire" der "Mairie de Moresnet wurde, 1816 die Verwaltung von Neutral- und Preussisch-Moresnet übernahm und am 18. Juli 1863 in Moresnet verstarb. Sein gleichnamiger Enkel und dessen Sohn Friedrich Eduard von Lasaulx (geb. 1870 in Moresnet, + 1901 in Bonn) waren beide Professor für Philosophie an der Universität Bonn.

Bürgermeister Arnold von Lasaulx verkaufte Schloss Alensberg am 24. Juni 1823 an Karl-James Cockerill, dessen Tochter Caroline den Aachener Industriellen Karl Suermondt heiratete. Dessen Sohn Armand liess Alensberg sowohl innen wie aussen stilgerecht erheblich umändern, was von mancher Seite kritisiert wurde. Armand Suermondt starb 1921 und hinterliess das Schloss seinem Bruder Arthur, der ihn jedoch nur um ein Jahr überlebte.

Durch die Witwe und die Kinder wurde Alensberg zerstückelt und zum Verkauf angeboten. Das Schloss und die beiden angrenzenden Bauernhöfe erstand der Notar Gustav Ernst-Petry. Nach dessen Tod blieb der Nachlass ungeteilt zwischen den beiden Kindern, dem Notar Gerard Ernst und dessen Schwester Lea Ernst, Ehefrau von Marcel Pirrée.

Zur Teilung des Besitzes Alensberg kam es nach dem Tode der vorgenannten Gerard Ernst und Lea Pirrée-Ernst. Dabei fiel das Schloss mit den beiden Höfen an die Tochter Edith Pirrée, verheiratet mit Robert Thiéron, Richter am erstinstanzlichen Gericht in Verviers, der beim Tode seiner Frau (1950) alleiniger Erbe wurde.

Fam. Thiéron besass Alensberg, als der stolze Bau durch die Sprengung der Eisenbahnbrücke irreparabel zerstört wurde. Nach dem Tode des Herrn Thiéron ging die Schlossruine mit dem Grundbesitz und den Höfen durch Kauf an Fam. Emontspool aus Eupen über. Das zum Schloss gehörende Bauernhaus ist seit 1985 im Besitz von Herrn J. Schyns, der Schlachtviehmästung betreibt.
Für die "petite histoire" sei noch erwähnt, dass Alensberg im Jahre 1725 zum Schauplatz einer spektakulären Hinrichtung wurde. Zwei Mitglieder einer in Gemmenich ihr Unwesen treibenden Bande, darunter der Anführer, ein ehemaliger Offizier mit Namen Gaspard Louis de Fitz Patrick, waren nach ihrer Verhaftung nach Alensberg, dem Sitz des Herrn von Straet, Herr von Gemmenich und Alensberg, gebracht und dort eingekerkert worden. Anschliessend hatte man sie nach Limburg ins dortige Gefängnis gebracht.

Der Gemmenicher Meier Dobbelstein stellte den Antrag, die Verhafteten nach Alensberg zurückzuverlegen, um so den Zeugen das Erscheinen vor Gericht zu erleichtern. Während der Mitangeklagte Simon am 18. Januar aus Limburg zurückgebracht und auf Schloss Alensberg durch die Folter zum Geständnis gezwungen wurde, blieb Fitz Patrick vorerst an Händen und Füssen festgekettet im Limburger Gefängnis und wurde erst am 12. März 1725, zwei Tage nach seiner Verurteilung zum Tode, unter starker Bewachung (22 Mann!) nach Alensberg gebracht, wo er hinter der Burg im Beisein einer grossen Menschenmenge enthauptet wurde. Der ebenfalls zum Tode verurteilte Simon wurde am folgenden Tage in Gemmenich, am "Witte Weg" auf der Flur "Hamiot" gehängt, die Leiche wurde anschliessend verbrannt.

Aus "LES DELICES DU DUCHE DE LIMBOURG von Guy POSWICK" und Zeitschrift "Im Göhltal".


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