Page loading...

  
    
     
Suchen: 
 >>> Diese Website empfehlen  Français   Nederlands   
Empfang Kontakt Links Hintergründe Plan-Gegend Wetter Terminkalender Folders Konfiguration ?

GESCHICHTE    Erster eiserne Vorhang ?  Druckansicht
 

Der elektrische Zaun an der belgisch-niederländischen Grenze im ersten Weltkrieg
Fast vergessene Geschichte unserer Region !

Die deutsche Invasion in Belgien.

Es ist der 4. August 1914 : ein schöner Sommertag. Morgens zwischen 7 und 8 Uhr überschreitet die deutsche Armee die Grenze in der Nähe von Gemmenich, im Nord-Osten der Provinz Lüttich. An diesem Tag begann für unser Land der erste Weltkrieg. Die Zahl der Opfer war so unglaublich hoch, dass man ihn den großen Krieg nannte. Die wichtigsten Kriegshandlungen wurden an der Yser ausgefochten, so dass man nur wenig von der belgisch-niederländischen Grenze sprach - und noch weniger von dem elektrischen Zaun der dort ab 1915 gebaut wurde.

Was bewog die Deutschen dazu, diesen elektrischen Zaun zu bauen? Es war der Schlieffen-Plan, durch von Moltke leicht abgeändert : der mobile rechte deutsche Flügel (Attacke durch 27 Armeekorps) wurde gekürzt. So entkamen die Niederlande, genauer holländisch-Limburg, dem ersten Weltkrieg, aber der linke Flügel wurde gestärkt.

Es gab mehrere Gründe die Neutralität der Niederlande nicht anzutasten. Es war klar, dass die Niederländer widerstehen würden, die Deutschen beschlossen daher keine zusätzlichen Truppen einzusetzen, um die Niederlande zu besetzen, sondern die bereitstehenden Kräfte gegen Belgien und Frankreich einzusetzen. Noch dazu bestand bei Verletzung der niederländischen Neutralität ein Risiko : sollten die Tore zur Nordsee besetzt werden, würde Großbritannien sehr schnell ein Alibi finden in den Krieg einzutreten. Schließlich konnten die niederländischen Straßen, Wasserwege und Häfen sehr nützlich sein, um die deutsche Kriegsökonomie in Schwung zu halten. So entkamen die Niederlande der direkten Waffenbedrohung.

Ein reger Verkehr an der belgisch-holländischen Grenze

Da Belgien besetzt war und die Niederlande nicht direkt in den Krieg verwickelt waren, entwickelten sich einige besondere Aktivitäten an der Grenze, eben weil die Umstände dieses Konflikts so eigenartig waren.


Vor allem haben die Alliierten viele junge Leute in die Niederlande gebracht. Gut organisierte Fluchtkanäle wurden gegründet, auch um die tausenden Freiwilligen ins neutrale Gebiet zu bringen. Von dort konnten sie dann an die Yser-Front gebracht werden. Diese Aktivitäten entwickelten sich vor allem nach den Aufrufen der belgischen Regierung aus Le Havre, des Königs Albert I und von Kardinal Mercier.

Die britischen Geheimdienste koordinierten direkt in den Niederlanden die Spionage-Aktivitäten im besetzten Belgien. Die Deutschen merkten schnell, dass wichtige militärische und strategische Nachrichten regelmäßig aus den Niederlanden kamen.

Zahlreiche Briefe, vor allem von Eltern an die Soldaten an der Front, kamen über die Niederlande.

Viele Leute flüchteten in die Niederlande, wie ein deutscher Autor notierte : "Nach Holland war Tor und Tür geöffnet". Auch der traditionelle Schmuggel lief auf Hochtouren. Obwohl die Deutschen die Grenzen überwachten, wurden viele Waren heimlich weitergeleitet.

Der aktive oder passive Widerstand der Bevölkerung gegen die beeindruckenden Maßnahmen der Deutschen im besetzten Gebiet, sei hier besonders erwähnt.

So beschlossen die deutschen Behörden also 1915, die Grenzen technisch zu schließen. Dazu wurde ein Starkstrom-Zaun entlang der belgisch-niederländischen Grenze gebaut. Indem Belgien in eine Art Käfig gesperrt wurde, sollte der geheime Grenzverkehr unterbunden werden.

Die Anfänge des Zaun-Baus.

Es ist nicht bekannt, wer genau den Bau des Zauns in Auftrag gegeben hat und wann diese Entscheidung fiel. Die Idee stammte auf jeden Fall von einem deutschen Offizier, D. Schütte, Adjutant eines in Belgien aktiven Nachrichtendienst-Offiziers.

Eine Veröffentlichung von 1919 beschreibt im Detail, welche Versuche und Untersuchungen die preußische Armee im Bereich der elektrotechnischen Anwendungen im Krieg vorantrieb. Es geht daraus klar hervor, das die Deutschen im ersten Weltkrieg zumindest an der Ostfront, über mehrere spezialisierte Elektrobataillone verfügte.

Der Zaun wurde zwischen April und August 1915 aufgesetzt. Auf belgischem Gebiet, wurde er ab dem Dreiländerpunkt installiert - hinter Vaals, einige Kilometer von Deutschland entfernt - und läuft dann an der belgisch-niederländischen Grenze entlang, bis zur belgischen Küste.

Der eigentliche Bau des Zauns wurde gut vorbereitet, darauf lassen einige Quellen schließen. Am 6. Juni 1915, schickte der deutsche Vertreter eine Notiz an das Außen-Ministerium der Niederlande, um mitzuteilen, dass die deutsche Militärbehörde es für nötig erachtet hatte, eine Sperre an einigen Zonen der belgisch-niederländischen Grenze zu bauen (in Wirklichkeit, entlang der ganzen Grenze). Die Deutschen teilten nicht die exakte Trasse mit : im Juni 1915, befahl der niederländische Kommandant der Feldarmee eine Untersuchung. Wenn die Niederländer der Meinung waren, der Zaun wäre auf ihrem Gebiet, wurden die Deutschen aufgefordert, ihn nach Süden oder Westen zu versetzen. Die Original-Dokumente über die Dörfer der Fourons, geben eine Idee davon, wie die Deutschen vorgingen, um den Zaun zu bauen. Man kann davon ausgehen, das die Vorgänge in den anderen Grenzgebieten ähnlich abliefen. Die deutschen Archive enthalten nur wenige Informationen über die Truppen, die den Bau des Elektrischen Grenzabsperrungszauns überwachten. Am 16. Juni war Grenzschutz-Kommandeur Graf von Faber-Castell mit Oberstleutnant Riecke, Verkehrsoffizier und dem Kommunikations-Offizier von Platz Lüttich im Gebiet der Fourons unterwegs, um die Grenzzone zu inspizieren und zu entscheiden, wo der Zaun gebaut werden konnte.

Am 17. Juni besprach er mit Major Meichsner in seinem Hauptquartier, der Einsatzleitstelle von Fouron-Saint-Pierre, die Vorschriften für die Vergabe von Pässen. Am 19. Juni legte Faber-Castell den Verlauf des Zauns um den Vierländerblick fest, dem aktuellen drei-Länder-Grenzland. In der Zwischenzeit, war Kelmis belgisch geworden. In den Fourons wurde der Zaun in den Monaten Juni und August von etwa 250 Männern der 2. Bayrischen Landsturm Pionier Kompanie (BLPK) unter Leitung von Ingenieur-Major Franz Kleber errichtet. Diese Kompanie verfügte über fünf Pferde und einige Lastwagen. Zusätzliche Unterstützung kam regelmäßig vom 60. Armierungsbataillon aus Lüttich. Nach den bürokratischen Vorbereitungen, wurde das Gelände vorbereitet ; dazu kam im Generellen eine Mannschaft von zehn Soldaten, ein oder zwei Tage vorher, um die Zone zu räumen. Die Pfosten wurden aufgestellt, Isolatoren montiert, und schließlich der Draht gezogen. Am 25. Juni 1915 teilt Vater Charles O'Kelly aus Lüttich schon mit, dass : "die Grenze jetzt mit Strom-Zaun ausgerüstet ist". Am 1. Juli teilt auch der Grenzschutz-Befehl (Kommando an der Grenze) mit, dass ein mit Starkstrom geladener Draht gespannt wird.

Laut einiger Quellen, wurde der Strom wahrscheinlich am Montag, den 23. August 1915, auf dem ersten Teilstück in der Nähe von Vaals angeschlossen - vom Dreiländerpunkt, bis Ottegroven, etwa 18 km weiter, zwischen den Schalthäusern (Anschluss-Kabinen) 9 und 10. Am Sonntag, den 29. August wurde ein weiteres Stück bis zur Maas angeschlossen. Es gab Übergänge, zum Beispiel bei Fouron-le-Comte (auf der Straße nach Warsage) und Teuven (vor der Abzweigung nach Remersdaal). Von Gemmenich bis Fouron-le-Comte, gab es alle 2 Kilometer einen Transformator, insgesamt 12. Der Strom kam von einer Tram-Linie zwischen Aachen und Kohlscheid, in einem Brauhaus von Vaals in der Nähe zu Aachen, etwa 2,5 km von den drei Grenzen entfernt. Die Starkstrom-Linie von Reutershag zu diesem Ort ging über 4 mm dicken verzinktem Draht, der auf Pfosten angebracht war, die jeweils 60 m auseinander standen, dann entlang des Zauns. Ottegroven war von Fouron-le-Comte abgeschnitten ; Teuven und Sippenaeken befanden sich im Sperrgebiet.

Im Generellen waren es die Soldaten der Pionier-Kompanie oder des Landsturms, eventuell mit Hilfe von anderen Soldaten, die den Zaun bauen und überwachen mussten. Manche Quellen, z.B. die Herren Lekeux und Van Haelst, erzählen dass eine 60 bis 70 Mann starke Mannschaft, davon 8 bis 12 Wachen, es schaffte 1 km pro Tag aufzurichten ; andere erzählen von etwas weniger als einem Monat um 10 km Zaun zu errichten. Manchmal setzten die Deutschen auch Belgier oder russische Gefangene ein, aber die lokale Bevölkerung eher selten, die mit der Methode definitiv nicht einverstanden war. Die Bevölkerung lehnte sehr oft einfach ab, so wie in Stekene : sie starben lieber im Elend, als den Deutschen dabei zu helfen, das eigene Gefängnis zu bauen.

Technische Beschreibung des Zauns.

Ein Stück einer guten Generalstabskarte der belgischen Armee von 1910, gibt eine gute Vorstellung des Zauns ab dem Dreiländerpunkt bis zur Schelde in Antwerpen, denn die Deutschen haben dort wertvolle Angaben eingetragen.

Die Absperrung war ein im Durchschnitt 2 m hoher Zaun mit fünf, oft auch 6, Zink oder Kupferdrähten, die 20 bis 30 cm auseinander lagen. Der unterste Draht befand sich 15 bis 20 cm über dem Boden. Manchmal waren alle Drähte unter Strom, manchmal nur einige. Die bis zu 5 mm dicken Drähte lagen auf Porzellan-Isolatoren mit einem Durchmesser von 4,5 cm. Diese Isolatoren waren auf Tannenpfählen oder Pechpfählen befestigt, die alle 3 bis 4 m in den Boden gerammt wurden.
Etwa alle 50 m trug ein hoher Pfosten die Speiseleitung. In regelmäßigen Abständen wurde der Strom in ein Schalthaus (Transformator-Kabine) umgeleitet. Die meisten davon enthielten Generatoren und Transformatoren, die auch Strom umwandeln konnten, der von weit her kam, oder bei Pannen Strom für kurze Strecken generieren konnten. Laut Originalquellen, gab es alle 2000 m ein Schalthaus. Diese Vorgehensweise ermöglichte es die Spannung für manche Teile des Zauns, von einer Kabine aus zu generieren.

Der Strom kam aus einigen Zentralen oder Fabrik-Generatoren entlang der Grenze oder von wenigen deutschen Strom-Aggregaten, die mit Diesel betrieben wurden. Für das Teilstück Vaals Veldwezelt, gab es nur eine Zentrale, nämlich Kohlscheid (Reutershag).

Natürlich musste der Ort, an dem die Versorgungs-Linie über Land zum Zaun ging auch überwacht werden.

Die Transformator-Kabinen waren nicht alle an die Starkstrom-Leitung angeschlossen. Wenn sie zu weit entfernt war, mussten Lokomobil-Generatoren in speziellen Baracken eingesetzt werden. Diese wurden dann auch bei Sabotage oder Strompannen eingesetzt.

Zu beiden Seiten der Stromdrähte, auf 1 bis 6 m, manchmal auch 10 m, je nach Beschaffenheit des Geländes, stand ein zweiter 1 bis 2 m hoher Schutz-Zaun - sehr oft mit Stacheldraht - aber nicht elektifiziert. Die Sperre war also dreifach. Die Pfähle der Mittellinie waren dicker und höher als die der Seitenlinien. Letztere bestanden manchmal aus einer Art Geflecht aus Holz, Eisenstücken, Latten und Stacheldraht.

Damit Schmuggler, Schleuser, und Spione nicht einfach Leitern gegen die Pfähle des Mittelzauns anlehnen konnten, fixierten die Deutschen oft Querdrähte auf den höchsten Pfählen. Sie steckten auch Holzstücke mitten zwischen zwei Pfählen in den Boden und machten den unteren Draht daran fest, so konnte er nicht angehoben werden. Diese Technik wurde vor allem in Ostflandern angewandt. Bei Regen tanzten oft Funken um die unteren Drähte des Zauns. An anderen Stellen waren die Drähte vertikal miteinander verbunden, dann sah der Zaun wie ein Gitter oder ein Netz aus.

Die Organisation der Überwachung in der Nähe des Zauns.

Bis Ende des Herbsts 1916, bekämpften Einheiten der Pionier-Kompanie Spionage-Aktivitäten und andere Sorten illegaler Aktivitäten. Dann kamen Einheiten aus älteren Soldaten, um die aus Württemberg stammenden zu ersetzen. Die deutsche Nachkriegs-Literatur prangert oft die Schlaffheit dieser Truppen an. Zu oft wurden beide Augen zugedrückt und manchmal wurde im Tausch für wertvolle Waren, Essen oder Dienste sogar bei Ausbruchsversuchen geholfen. Dabei wurden überführte Kollaborateure meist hingerichtet. Wenn dann zu tolerante Truppen abgelöst wurden, waren die neuen Soldaten unwissend und mit der lokalen Situation nicht vertraut.

Wir konnten ein sehr seltenes und wertvolles Dokument auftreiben : die Grenzschutzanweisungen, also Anleitungen für die Grenzüberwachung, für die deutschen Truppen, die die Strom-Zäune verwalten und überwachen mussten. Hier einige interessante Anweisungen :
Zunächst waren die Organisation und der Betrieb der Strom-Zäune, der Zentralen und aller Neben-Elemente strikt geheim. Ein Wachposten bestand einer Truppe von Soldaten, die für die Bewachung einer bestimmten Zone entlang des Zauns zuständig waren.

Das Starkstrom-Kommando, ein wichtiger oberer Dienstgrad, sicherte die militärische und technische Koordination von mehreren Wachposten entlang des Zauns. Es war eine Art Regional-Kommando. Alle Dienst habenden Soldaten dieser Posten und Kommandos, trugen am linken Arm eine Armbinde mit einem roten Pfeil in Blitzform. Der Streckenmeister war für eine begrenzte Zone zuständig - er wurde auch Hauptwachmeister genannt - und war der Chef des Wachpostens. Die Männer wohnten normalerweise in den Schalthausposten oder Transformator-Kabinen. Der untere Teil konnte bewohnt werden, während der obere Teil Generatoren oder andere Geräte enthielt. Der Streckenmeister, oder sein Vertreter, war für alles verantwortlich, was in seiner Zone geschah : er kannte die Befehle und Vorschriften, informierte die anderen Soldaten und prüfte regelmäßig die Aufmerksamkeit und die Kenntnisse seiner Untergebenen.

Die Wächter patrouillierten in einer begrenzten und genau definierten Zone. Diejenigen, die den Nachtdienst am Projektor versahen, mussten tagsüber patrouillieren. Die Bestimmung der Soldaten auf dem Wachposten geschah durch Auslosung. Die Wachtposten hatten immer ein geladenes Gewehr und der Befehl lautete jeden Verkehr und jede Kommunikation in der Umgebung des Zauns zu verhindern.

Die Patrouillen hatten den formellen Befehl, auf alles was sich bewegte und jeden zu schießen der sich in der Nähe des Zauns aufhielt, ohne Vorwarnung. Bei Nebel, oder wenn man Personen trotz Scheinwerfer nicht erkennen konnte, riefen die Wächter : " Halt ! Wer da ! Näher heran ". Bei Nichtbeachtung oder bei Fluchtversuch, wurde sofort gezielt geschossen, ohne Warnschuss. Es sollte allerdings vermieden werden, in Richtung Niederlande zu schießen. Gefangene mussten zum Wachtposten gebracht werden.

Während ihrer Wachen durften die Soldaten nichts annehmen oder mit Niederländern oder Belgiern in Kontakt kommen. Wenn man ihnen Waren anbot, mussten sie dies ihrem Oberen melden. Außerdem mussten alle Briefe und Päckchen sofort beschlagnahmt werden.

Alles was während der Patrouille bemerkt wurde, musste sofort bei Wachablösung gemeldet werden. Im Falle eines Notfalls - eines Zwischenfalls beim Zaun, einer Panne auf den Hauptdrähten, bei durchgeschnittenen Drähten, Ketten, Seilen oder anderen Objekten auf dem Zaun, ... - musste der Wachtposten benachrichtigt werden.

Wenn die Oberleitung beschädigt war, musste der Verantwortliche der Zone für Hochspannung (Kompanie oder Schwadron) und alle Wachtposten an wichtigen Passagen sofort per Telefon oder Fahrrad-Boten benachrichtigt werden.

Getötete Personen oder Tiere, sowie Objekte, die den Hochspannungs-Draht berührten durften nicht entfernt werden, was ja auch wirklich zu gefährlich gewesen wäre. Tier-Kadaver wurden regelmäßig abgeholt, sobald der Strom abgeschaltet war. Dazu steckten die Deutschen eine Stock in eine leere Flasche und versuchten dann damit das Tier hinunter zu heben. Es war natürlich jedem Wächter oder Patrouillen-Mitglied untersagt den zentralen Stromzaun zu berühren, weder direkt, noch mit einem Objekt - dies wäre fatal gewesen. Oft war es sogar gefährlich die seitlichen Zäune zu berühren.

Bei tödlichen Unfällen, durfte die Stromzufuhr nur vom Verantwortlichen für Hochspannung oder seinem Vertreter wieder eingeschaltet werden. In jedem Fall musste das Zonen-Kommando telefonisch mit dem Code : Hochchspannung. Lebensgefahr. benachrichtigt werden.

Sterbefälle und Sabotagen mussten von den lokalen Technikern und medizinischen Verantwortlichen aufgenommen werden, und von der Militär-Justiz. Bei einem Unfall mit einem deutschen Soldaten, musste der Militär-Arzt gerufen werden. In der Zwischenzeit wurden Erste-Hilfe-Maßnahmen eingeleitet.

Personen-Bewegungen und Warenaustausche waren nur unter Aufsicht eines Offiziers möglich, der genaue Mengen und Preise notierte. Belgier, die auch Land in den Niederlanden besaßen, und die Grenze zum Beispiel mit Brot oder Korn überqueren wollten, wurden gründlich durchsucht : Säcke wurden ausgeleert, Pakete geöffnet, und oft mussten ganz Karren abgeladen werden. Bei Brotlieferungen für Belgier, wurden mehrere Brote in der Mitte durchgeschnittenen. Alle diese Kontrollen wurden von Militär-Angehörigen durchgeführt ; belgische Bürger mussten außerhalb der Sicherheitszone bleiben. Ausnahmsweise, besonders wenn man auf nicht zu strenge deutsche Wachen fiel, konnten in den Niederlanden wohnende Verwandte, einigen Belgiern etwas Geld zukommen lassen.

Die Transformator-Kabinen wurden Tag und Nacht, 24 Stunden auf 24 überwacht ; die Diensthabenden mussten gewissenhaft überprüfen, ob alle Schalter geschlossen blieben. Bei einem Alarm, musste der Verantwortliche erst feststellen, um welches Signal es sich handelte, um fest zu legen, in welche Richtung der Alarm weiter gegeben werden musste. Danach wurde der diensthabende Fahrrad-Wachtposten oder sogar eine Person des Starkstrom-Kommandos losgeschickt, um die verdächtige Stelle zu inspizieren.s

Nachts wurde das Fahrrad mit einer Karbidlampe ausgerüstet. Der Radfahrer stellte den Grund des Alarms fest und machte dann beim Wachtposten Meldung. Das Starkstrom-Kommando konnte nur gleichzeitig informiert werden, wenn sich ein Telefon vor Ort befand. Sonst musste der Soldat bis zum nächsten Wachtposten weiterfahren, der mit einem Telefon ausgerüstet war. Die Deutschen hatten an mehreren Stellen auch Attrappen von elektrischen Installationen aufgestellt, um Spione und Schmuggler in die Irre zu führen.

Die Hauptaufgabe des Starkstrom-Kommandos war der Unterhalt des Stromzauns und die Reparatur der gemeldeten Pannen. Die permanente Kontrolle bestand in einer Runde durch das zugewiesene Gebiet, zu Fuß oder per Fahrrad, zweimal pro Tag ; einer ausführlichen Statistik über Pannen und Meldungen ; sowie einer regelmäßigen Überprüfung des Starkstroms mit speziellen Test-Stangen.

Die Perioden in denen tatsächlich Starkstrom durch die Drähte geleitet wurde, waren natürlich höchst geheim, für die Bevölkerung ebenso wie für die Wächter. Die Kontrollen, der Anschluss und das Abschalten wurden so willkürlich wie möglich durchgeführt, sie sollten unvorhersehbar bleiben.

Das Starkstrom-Kommando stellte einen Tagesbericht für das Zonen-Kommando auf, in dem Art, Ursache und Uhrzeit der Pannen, Beschädigungen und Übertritte durch unbefugte Personen, Ortsangaben, Zeitangaben, benutzte Mittel, Anzahl von Tier-Kadavern, durchgeschnittene Leitungen, sowie andere Beobachtungen und Vorschläge zum Unterhalt der Ausrüstungen aufgeführt wurden. Am nächsten Tag, wurden diese Berichte dem Techik-Kommando übermittelt.

Nur die Wächter und das Personal des Starkstrom-Kommandos hatten zur Zone entlang des unter Strom stehenden Mittelzauns Zugang. Jeder andere Soldat musste einen Grund angeben. Alle mussten bestehende und vorgeschriebene Wege benutzen. Das regionale Militär-Kommando teilte der Bevölkerung mit, dass es verboten war sich dem Zaun auf weniger aus 100 m zu nähern. Auf alle Unbefugte in dieser Zone wurde geschossen. Wie es die deutschen Generalstabskarten aufzeigen, wurde ein Unterschied gemacht zwischen Militärdurchlässen und Zivildurchlässen. Erstere waren nur Militär-Angehörigen vorbehalten. Manche Übergänge hatten eine doppelte Funktion und konnten sowohl von Soldaten, als auch von Zivilpersonen benutzt werden.

Die Gefahr des elektrischen Drahts, einige Beispiele

Eines Tages, als der Strom nicht angeschlossen war, überquerte Eduard Appelberg aus Vaals mit einem Freund den Zaun im Gebiet der drei Provinzen. Als sie zurück kamen, war eine Spannung von 2000 Volt angelegt : Appelberg starb unter furchtbaren Qualen.

Viele Menschen starben, weil ihnen die Gefahren von Strom einfach nicht bekannt waren. Dies war der Fall für Frau Bindels-Vaessen, die ein Café an der Ecke Gemmenicher-Straße und Wolfshaag führte : sie blieb an den Drähten hängen, nachdem sie sie unüberlegt berührt hatte. Ein Herr Gruters aus Vaals, der die Drähte aus Neugierde berührt hatte, wurde so stark verbrannt, das sein Arm amputiert werden musste, außerdem war er danach entstellt...

Auszug eines Zeugnisses aus den persönlichen Notizen von Herrn Hubert Lennarts :

" Ostermontag 1917 vor der Abendmesse. Ein heftiges Gewitter zeichnete sich am Horizont ab, aber da ich Messdiener war, konnte ich nicht zu Hause bleiben ! Das Gewitter kam immer näher und wurde immer stärker, so dass der arme alte Küster uns zum Beten aufforderte, den er war der Überzeugung, das Ende der Welt sei Nahe. Ein Orkan mit strömendem Regen und Blitzen traf zuerst den großen Turm und zog dann über das gesamte Kirchendach, um schließlich den kleinen Turm mit der Glocke zu erreichen, die gerade geläutet wurde. Ein Stahlkabel verband die Glocke mit der Sakristei und war am Ende mit einem Schutz aus Holz versehen. Der Blitz folgte dem Draht und verbrannte drei der sieben anwesenden Messdiener. Die vier anderen, unter denen ich mich befand und der Küster wurden auf den Boden geschleudert ohne weitere Verletzungen ... Am Schlimmsten war es zu erfahren, dass drei junge Leute zum selben Zeitpunkt in die Niederlande übergehen und sich der belgischen Armee anschließen wollten, weil sie dachten der Strom würde bei Gewitter abgeschaltet. Sie waren auf der Stelle tot, beim Versuch den Zaun zu überqueren, ohne je diejenigen bekämpfen zu können, die ihren Tod verschuldeten. "

Die Archive von Sippenaeken und Gemmenich zählen einige Opfer auf, viele davon waren geflohene russische Soldaten. Zwischen 1916 und 1918, wurden 18 Leichen in Gemmenich und zwischen 1916 und 1917, noch weitere 4 in Sippenaeken gefunden.

Wie überquerten Schmuggler, Schleuser und Agenten den Zaun ?

Hunderte von Menschen starben am Zaun ; aber Tausende überquerten ihn, um in die Niederlande zu gelangen : Spione, Deserteure, Schleuser, Kriegs-Freiwillige, einfache Zivil-Personen, Schmuggler. Vorsichtige Schätzungen sprechen von mehr als 30 000 Belgiern, die die Grenze überquert haben, sicher 20 000 über den Strom-Zaun, trotz der Gefahr.

Obwohl der Zaun es verhindern sollte, in der einsamen Heide, im Wald und in den Sümpfen, oft weit von der Grenze : der rege Verkehr zwischen Belgien und den Niederlanden lies nicht nach. Die Kandidaten strömten schon bald nach dem Bau herbei. Spionage, Briefzustellung und klassischer Schmuggel mussten weiter gehen. Die Schmuggler, die Schleuser und die Spione mussten also Wege finden, um hinüber zu gelangen. Der Mangel, die Abenteuer-Lust und der Patriotismus verleiteten zum Risiko, bis hin zur Haft oder zum Tod unter dem deutschen Kugelhagel. Nachdem die Bestechung aufgegeben worden war, mussten die Schleuser außerordentlich viel Mut, Kreativität und Wendigkeit aufbringen.

Die einfachste, allerdings nicht immer realistische, Technik bestand darin deutsche Wächter anzuheuern. Diese sorgten dann dafür, das eine Zaunzone während einer gewissen Zeit ausgeschaltet wurde. In anderen Fällen wurden den Schleusern die Perioden der Reparaturen zugespielt, wo der Zaun dann auch abgeschaltet wurde. Es gab auch Momente an denen die Deutsche Schwierigkeiten hatten, den Strom einzuspeisen oder zu produzieren. Diese Informationen wurden teuer verkauft. Es ist bekannt, dass ein Deutscher Wächter 100 DM - zur Zeit etwa 125 FB - pro evakuierter Person verlangte. Bei Unterversorgung, unter der die Deutschen auch litten, wurde ein guter Schinken oder einige Dutzend Eier bevorzugt.

Am Einfachsten war es, einen kleinen Graben unter dem inneren Draht zu graben. Um bequemer darunter durch zu kommen und die Gefahr zu verringern, wurden einige Äste in den Boden gerammt und benutzt, um die Drähte hoch zu drücken. Natürlich musste der Graben tief genug sein und man musste trotzdem auf der Hut sein. Leider passte nicht jedes Gelände hierfür. Manchmal war der Boden zu hart und nach einiger Zeit begannen die mittlerweile gewarnten Deutschen, einen Draht im Boden zu verankern. Außerdem dauerte das Graben eine gewisse Zeit, so dass die Arbeit in Etappen ausgeführt werden musste. Dann musste man auf sein Glück zählen, dass keine Streife auf das frisch ausgehobene Erdreich fiel. Außerdem musste die Arbeit bei absoluter Stille ausgeführt werden. Wenn jemand mit einer Schaufel durch die Heide oder die Felder ging, wurde er nicht unbedingt sofort verdächtigt, über den Zaun zu wollen, immerhin konnte es ein einfacher Bauer sein, der zu seinem Feld wollte.

Ein weiteres einfaches System, war der Gebrauch einer einfachen oder doppelten Leiter. An einer Seite des Zaun stellte man sie gegen einen Pfahl - einen der Höchsten - um über den oberen Draht zu gelangen. Der Schleuser sprang dann über den Zaun. In seltenen Fällen wartete Hilfe auf der anderen Seite, dann war dort eine andere Leiter angelehnt, was den Sprung unnötig machte. Diese Methode war nicht sehr vorteilhaft : es war zu auffällig mit einer Leiter über die Felder zu gehen, auch nachts. Es gab dabei auch oft Unfälle, die Stabilität war nicht immer garantiert. Diese Methode war besonders in offenem Gelände sehr riskiert, sogar unmöglich, denn die deutschen Wächter und Beobachter konnten das Geschehen von Weitem sehen.

Wenn der mittlere Zaun genau so hoch wie die Seitenzäune war, und wenn sie nicht zu weit von einander entfernt waren, wurden oft zwei, zu beiden Seiten stehende, Böcke benutzt, auf die ein oder zwei Bretter gelegt wurden. So konnten Waren bequem ausgetauscht werden.

Die Leiter-Methode war mit vielen Gefahren verbunden, so erfand man bald eine neue Technik : von einem Fass wurden Deckel und Boden entfernt, dann legte man es unter den Zaun oder zwischen zwei Drähte. Leider war es kaum möglich, mit einem Fass über die Felder zu gehen, besonders wenn man von den Deutschen angehalten wurde. Man konnte auf dieselbe Art und Weise auch einen Korb benutzen, ein Becken ohne Boden, oder eine Klappkiste - die aber oft unverhofft zusammenklappte - sowie eine Holzfelge, die ganz einfach zwischen Boden und Draht geklemmt werden konnte. Oft trugen die Schleuser Brandwunden davon, wenn ein Korb oder ein Fass nicht absolut trocken waren.

Richtige Akrobaten versuchten sich sogar im Stab-Hochsprung. Der Graf de Sécillon, Bürgermeister von Fouron-Saint-Martin, hatte vielen Soldaten und Flüchtlingen diese Methode in einem Pavillon beigebracht und ihnen damit über den Zaun geholfen.

Als niederländische und englische Spione den Schleusern die Prinzipien der Elektrizität und der Isolation erklärt hatten, kamen raffiniertere Techniken auf. Man konnte nämlich zwei übereinander liegende Strom-Drähte in Wolldecken wickeln und dann fast gefahrlos durchschlüpfen. Diese relativ einfache Technik konnte jedoch nur nachts angewendet werden. Die Deutschen kannten diese Möglichkeit und untersagten es, mit Decken unterwegs zu sein. Der kleinste Regen machte diese Technik unmöglich.

Diejenigen, die sich mit Strom auskannten, gingen mit Eimern und einem großen Stück Draht zum Zaun. Sie füllten die Eimer mit Wasser, versenkten sie auf jeder Seite des Zauns im Boden und verbanden dann den Stromdraht über den mitgebrachten Draht mit dem Wasser ; oder sie warfen einen Kupferdraht hinüber und steckten dann beide Enden in die Wassereimer. So wurde ein Kurzschluss provoziert oder ein starker Spannungs-Abfall, und das Risiko für einen tödlichen elektrischen Schlag wurde stark reduziert. Diese Methode, die nicht immer die gewünschten Resultate brachte, forderte viele Vorbereitungen und die Schleuser waren natürlich immer in Eile. Das Risiko mit Eimern und Kupferdraht in der Nähe des Zauns aufzufallen und festgenommen zu werden, war auch ziemlich hoch.

Manchmal benutzten die Schleuser auch kleine Tische, dessen Beine sie mit Porzellan-Stücken präpariert hatten. Wenn sie darauf stiegen, konnten sie die Drähte berühren ohne einen Stromschlag zu riskieren. Es genügte geschickt genug für einen Aufsprung zu sein. Es gab zu dieser Technik auch eine gefährliche Variante : unter den Draht hindurch kriechen, mit an Händen, Knien und Füßen befestigten Porzellan-Tellern als Isolation.

Gegen Ende des Krieges wurden die Methoden verfeinert : die Schleuser benutzten dann oft einen Holz-Rahmen, den sie selbst herstellten und der zwischen zwei Drähte geklemmt wurde. Manche Autoren denken, dass so nur Briefe und Pakete überreicht wurden. Es gibt hierzu nicht genug Zeugenaussagen, um sicher zu sein, dass so auch Personen überwechselten. Die Erfahrung sagt uns, dass die Benutzung des Rahmens besonders schwierig und gefährlich sein musste. Viele Quellen besagen aber, dass die Schleuser geschickt genug waren, diese gefährliche Operation durchzuziehen.

Der Zaun nach Kriegs-Ende.

Sobald der Krieg beendet war, rissen die belgischen Grenzbewohner den Zaun fast überall sofort ab. An manchen Stellen verschwand er einige Tage oder Wochen vor dem Waffenstillstand. Es wurde nicht gewartet, und manchmal wurden die Arbeiten sogar vom Gemeinderat aufgetragen. Mehrere Gemeindeverwaltungen verkauften die Materialien, um die Finanzen aufzufüllen.

Anderswo, waren Bauern und lokale Bevölkerung am Werk. Die Bauern hatten das Material nötig, denn im Krieg hatten die Deutschen des Öfteren Draht und Stacheldraht beschlagnahmt. Die Bauern bedienten sich also, und verfügten dann über qualitativ hochwertige Pfosten und Drähte, um ihre Felder und Wiesen einzuzäunen. Über lange Zeit konnte man so Pfosten mit Einschusslöchern oder mit Porzellan-Isolatoren auf dem Land sehen.

An noch anderen Stellen, zerstörte die Bevölkerung die deutschen Zäune und Kabinen, am 11. November 1918. Die Zivilisten und die Niederländer nahmen viel Material mit und manchmal organisierten sie riesige Feste, bei denen alles verbrannt wurde !

Und danach ?

Es ist verwunderlich, dass es bei so vielen Opfern, nur ein einziges Denkmal, im Wald bei Sippenaeken, bei Schloss Beusdael gegeben hat. Der Graf von Oultremont, Schlossbesitzer von Beusdael, lies das Denkmal an der Kreuzung der Straße von Beusdael und dem Lascheter Weg (Hombourg) sowie Eperhei, auf Höhe 225, an der Grenze der Provinzen Lüttich und Limburg, errichten. Dort wurde den Menschen gedacht, die beim Versuch die Drähte im Wald von Beusdael zu überwinden, gestorben waren.

1940 störte das Denkmal die Nazis gewaltig, sie wollten es neutralsieren. Die Deutschen behaupteten, es hätte absolut keinen künstlerischen Wert und wäre kitschig. Sie waren der Meinung, die Inschrift würde das Reich für den Tod von inkompetenten Belgiern verantwortlich machen, die den Zaun überqueren wollten. Die Deutschen überdeckten sie mit Zement. Später wurde es abgerissen. 1962 wurde es an der gleichen Stelle wieder errichtet.

Quellen :

- « Le premier rideau de fer ? La clôture électrisée à la frontière belgo-hollandaise pendant la Première Guerre mondiale » écrit par Alex Vanneste, paru dans le journal de la Banque Dexia n° 214, 2000/4

- Histoire d’une imposture avortée, Marc Lennarts (Geschichte eines missglückten Betrugs)

- Kaleidoskop 1, Joseph Langohr
- Übersetzung : Myriam Debey - Kelmis.
Disclaimer | Copyright © 2004 S.I.3F & HB Webdesign - Last Update: 01/11/2013 15:22:19