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Geschichte - Burgen (verschwundene oder verfallene)   BURG SCHIMPER  Druckansicht

 

BURG SCHIMPER (Moresnet).

SchimperWenn wir, vom Dorfzentrum kommend, vor der Göhlbrücke in Moresnet rechts abbiegen und dem Wasserlauf auf seinem rechten Ufer folgen, so sehen wir nach einigen hundert Metern das sanft hügelige Tal enger werden. Die Talhänge werden steiler und die Natur nimmt zu unserem Erstaunen sehr wilde und romantische Züge an: Zur Rechten erhebt sich, etwa 30 m hoch, eine fast steile, von Bäumen und Sträuchern bestandene Felswand. Auf der Höhe thronte einst die Burg Schimper, deren Fundamente mit dem felsigen Untergrund verschmolzen.

Wie die in der Fluglinie nur rund 3,3 km entfernte Eyneburg nahm auch Schimper eine dominierende Höhenstellung ein, eine ideale Lage zur Selbstverteidigung und zur Beherrschung des Tals. Höhenburgen sind im Herzogtum Limburg selten; hier sind die meisten festen Häuser in den Niederungen als Wasserburgen angelegt worden.

In der Westfassade sah man Anfang der fünfziger Jahre noch drei Kreuzsprossenfenster. Das um 1900 noch z. T. erhaltene Walmdach war inzwischen vollständig abgetragen worden. Ersteigen wir das Felsplateau und nähern wir uns Schimper von oben. Wir befinden uns sodann im Innenhof des Schlossgutes, dessen Gebäude der früheren Wehrmauer folgen und stumpfe Winkel bilden. Tiefe Gräben trennten einst die landwirtschaftlichen Gebäude von dem Rittersitz. Sie sind zugeschüttet worden, von der Zugbrücke bleiben keine Spuren. In der nach Osten gerichteten Fassade blieb noch ein hübscher gotischer Türrahmen aus hellem Kalkstein mit dreieckförmigem Türsturz. Die einfachen Schmuckmotive verliehen ihm eine seltene Eleganz.

Der Pallas (Wohntrakt) hatte die Form eines Rechtecks und war durch einen Mittelgiebel in zwei geteilt. Die Ostseite war in sehr schlechtem Zustand und grosse leere Höhlen hatten die Fenster ersetzt. Der älteste Teil der Burg war die südliche Hälfte; sie stammte möglicherweise aus dem 14. Jh. Im Innern sah man noch auf der Höhe des ersten Stockwerks die an der Wand klebenden Wangen eines offenen Kamins sowie vorstehende Steinsockel, auf denen früher die Balken ruhten.

Die Nordhälfte gehörte dem 17. Jh. an. Im Südosten sah man den halb zerfallenen Stumpf eines Rundturms, der gewiss einmal mit dem ältesten Gebäudeteil verbunden war. Nach der Legende - oder der Überlieferung - gehörte dieser Turm in die Zeit Karls des Grossen. Doch sollte man der Einbildungskraft der Menschen misstrauen ... Es ist höchstens erlaubt zu behaupten, dass Schimper schon um die Mitte des 14. Jhs. bestand. Nicht schlecht, oder ?

1355 und 1369 begegnet uns ein gewisser Guy von Chinpier, Sohn des Henri, 1365 werden der Ritter Arnold von Sinper und der Knappe Giso von Simper, vielleicht dessen Sohn, genannt. 1403 wird Arnold von Chinpier, (ein Sohn des Vorgenannten?), mit Schimper, 1412 wird derselbe mit Gütern zu Eynatten belehnt.

Wenig später, spätestens aber gegen Mitte des 15. Jhs, scheint das Geschlecht derer von Schimper ausgestorben zu sein, denn als Herr von Schimper begegnet uns nun Johann von Palant. Dessen Schwester, verehelicht mit Johann IIII. von Withem, hatte einen Sohn, Wemer, der 1466 Herr von Schimper wird. Nach dessen Tod, geht die Herrschaft Schirnper auf die Schwester Maria von Withem, Ehefrau von Arnold von Ghoor, und anschliessend - 1515 - auf deren Sohn, Daniel von Ghoor, über. Es folgen die Söhne Wilhelm (oder Reiner?) und Johann von Ghoor. Letzterer wird Herr von Schimper im Jahre 1555.

Beide Söhne scheinen ohne Erben gestorben zu sein, so dass Schimper an ihre Schwester Elisabeth von Ghoor fiel, die Franz Spies von Büllesheim heiratete. Durch diese Ehe kam Schimper für mehr als zwei Jahr- hunderte an diese bekannte Familie, die über neun Generationen hier sass und durch verwandtschaftliche Bande weit verzweigt war: von Amstenraedt, von Hoensbroek, von Etzbeek, von Palant, von Beissel v. Gymnich sind einige der bekannteren Namen, die im Stammbaum der Spies vorkommen.

Die Spies von Büllesheim gehören dem katholischen Jülicher Uradel an und begegnen uns urkundlich zum ersten Male im Jahre 1256 mit "Godfried de Bulgensheim" als erzbischöflicher Marschall zu Bonn. Im 15. Jh. gehörten die Herren von Spies schon zur kurkölnischen Ritterschaft und im 17. Jh. treffen wir auf mehrere Linien zu Frechen, Bobbenheim und Schweinheim, die zur jülich-bergischen Ritterschaft gehörten.

Johann Hugo von Spies wird 1747 mit Schimper belehnt. Ihm folgt der Sohn Franz Hugo von Spies; nach dessen Tod verkaufen die Witwe und die Kinder die Burg und die dazugehörenden Ländereien an Marie J. Hubertine de Lezaack, Witwe von Arnold-Antoine Thiriart de Mützhagen.

Damals schon war Schimper unbewohnbar geworden.

Durch Erbteilung kommt Schimper an den Sohn, Baron A. Hyacinthe D. J. de Thiriart, verheiratet mit Marie-Fr. Eleonore von Reul. Deren Tochter Sidonie de Thiriart heiratete 1853 den Ritter Guillaume de Harlez. Dieser starb 1907. Schimper kam zum Erbteil der mit dem Ritter Léon de Sauvage Vercour verheirateten Tochter Eléonore de Harlez. Da diese Ehe kinderlos blieb, fiel das Erbe an die Kinder des Bruders der Eléonore de Harlez, Ritter Charles-Ph. C. G. De Harlez de Deulin.

Aus "LES DELICES DU DUCHE DE LIMBOURG von Guy POSWICK" und Zeitschrift "Im Göhltal".


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