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Entdecken - Die Burgen - Die Burgenroute  SCHLOSS RUYFF (Henri-Chapelle)  Druckansicht
Liste der Burgen

 

SCHLOSS RUYFF (Henri-Chapelle).

Der Ursprung von Ruyff, das etwa auf halber Strecke zwischen Henri-Chapelle und Welkenraedt am gleichnamigen Bach liegt, verliert sich im Dunkel der Geschichte. Mit Gewissheit kann man aber sagen, dass Ruyff schon im 12. Jahrhundert bestand, denn als Herzog Heinrich III. von Limburg i.J. 1172 der Abtei von Stavelot den Neunten in Henri-Chapelle bestätigte, befreite er den Herrn von Ruyff, Heinrich, Neffen des Arnold von Ruyff, von dieser Abgabe. In der Urkunde wird der Herr von Ruyff "Henricus apud Rivam" genannt. 1313 bzw. 1314 treten die Formen Ruve und Rueve auf.

Das in einer Talmulde gelegene Schloss hat ein weniger herrschaftlich scheinendes Äusseres als das nur 300 m entfernte Schloss Baelen, ist aber malerischer als dieses. Die wie von Patina überzogenen Mauern spiegeln sich in den das Schloss dreiseitig umgebenden Wassergräben sowie in dem nach Süden liegenden Teich. Die Anlage besteht aus zwei parallel zu einander stehenden Flügeln, die nordseits durch einen schmaleren Querflügel verbunden sind. In Letzterem öffnet sich der Haupteingang, der von einem dreieckförmigen von Säulen getragenen Ziergiebel überragt wird. Dieser Verbindungsbau sowie der Westflügel scheinen aus dem frühen 19. Jh. zu stammen und sind von keinem besonderen Interesse.

Der u-förmige Komplex besitzt einen rasenbedeckten und früher mit einigen Obstbäumen bestandenen Vorhof, der zum Teich vorspringt und von diesem durch eine halbrunde, von einem hübschen schmiedeeisernen Gitter bekrönte Stützmauer getrennt wird. Im Gitter war das Wappen der Fromenteau und der Le Pas zu sehen. Beiderseits der Mauer führt eine Steintreppe zum Wasser.

Der beachtenswerteste Teil der Burg ist zweifelsohne der Ostflügel: ein robustes Viereck mit nur einem Obergeschoss, das im Nordosten von einem stark vorspringenden viereckigen Turm flankiert wird. Der vierseitige Turmhelm trägt keine Wetterfahne, sondern einen Kamin. Der Bau ist gedeckt von einem Walmdach, das früher zahlreiche Gauben trug.

In den Aussenmauern sind noch die Spuren früherer Entlastungsbögen zu erkennen; da jedoch keine zugemauerten Fensteröffnungen auf bauliche Veränderungen schliessen lassen, dürften lese Entlastungsbögen mit dem Einsatz von Verteidigungsgeschützen in Zusammenhang stehen. Schiessscharten geben dem Bau ein wehrhaftes Aussehen. Die hohen und schmalen Kreuzsprossenfenster aus dem 17. Jh. haben Holzrahmen. Der Nordgiebel zeigt unter dem Dach eine kleine dreieckige Öffnung, die aus dem 14. Jh. stammen könnte. Das Innere weist nichts Besonderes auf, es sei denn einen grossen, aus rosa Marmor gearbeiteten Kamin im ehemaligen Salon, der nachmals als Kapelle gedient hat, heute aber wieder ass Ston eingerichtet ist. Ein weiterer mächtiger, säulengetragener Kamin aus Ruyff befindet sich heute auf Schloss Neuhaus.

Die Liste der jeweiligen Besitzer von Ruyff vom 14. Jh. bis heute liegt uns lückenlos vor. Wir wollen uns auf die wichtigsten Daten und Namen beschränken.

Heinrich von Rueve, Sohn des Winand von Julémont, empfängt das Leben 1314. Um 1380 geht Ruyff an die Familie Krümmel von Eynatten. Gerhard Krümmel relevierte Ruyff 1518. Er fand 1521 bei der Belagerung von Mézières (an der Maas, in den französischen Ardennen) im Kampf gegen den Grafen von Nassau den Tod. Durch weibliche Erbfolge (über Johanna von Krümmel) kommt das Schloss 1531 an die Familie von Palant, die bis 1627 in seinem Besitz bleibt. Werner von Palant verkauft Ruyff an den Bevollmächtigten des Nicolas von Croonenborg, Laurent Doenraedt. Von Croonenborg kaufte am 16.3.1644 auch die Herrschaft HenriChapelle, nachdem er schon Viljaeren (Hombourg) erworben hatte. Ruyff und die dazugehörenden Güter blieben im Besitz der Croonenborg bis 1708. Die Zeit der Croonenborg auf Ruyff ist mit allerlei nicht alltäglichen Ereignissen verbunden. Nicolas von Croonenborg wurde am 8. Juni 1645 in seine Rechte als Herr von Henri-Chapelle eingesetzt. Vor dem auf der "Halle" (dem Gemeindehaus) versammelten Gericht und in Anwesenheit einer grossen Volksmengen leistete er in flämischer Sprache folgenden Eid:

"Ick, Nicolas Croonenborg, oberste Luytenant, swere einde geloeve dat volgens de pattente ende geobtineerde verckoopinge der Borgerije ende Banck van Hendrix Capelle, deselve sal onderhouden bij hunner Coustuymen, gerechtigheeden ende Privilegien, gelyck die by de Justitie van ouden tyde is geobserveert, nyts te verminderen dus viel te helen vermeederen. Ende sal maintineren ende doen maintineren myne ondersaeten naer mynen besten vermoegen den Catolischen, Apostolichen ende Roornischen goeloeve. Ick sal getrouw syn synner C Maj. als Hertoge van Limborg.

Alle vonnissen die by Justitie dieser Herlyckheyt sullen worden gegeven ende gepubliceert t'sy in saeken publicq, civil off criminel sal ick doen stellen ter behoorlycken executie.

Ick sal geenen van myne ondersaeten hoe danig het wesen sal, vueren noch tracteren buvten Justitie ende oude gerechtigheyten.

Comende eenigen Schepen van Heerlichheijt t'overlyden, sal doen electie macken ende eenen daeruit kiesen. De overtreders ende delinquanten doen straeffen ende tracteren miet recht en Justitie naer merit van hunnen feyten"


Der neue Herr von Henri-Chapelle zeigte sich der Dorfgemeinschaft gegenüber als äusserst grosszügig. Er half ihr aus finanziellen Engpässen und hinterliess den Armen der Gemeinde durch Testament eine Rente von 8 Müdden Gerste.

Noch vor seinem Tode wurde sein Sohn Adam-Philippe am 15. Juni 1661 Herr von Henri-Chapelle. Dieser kam schon bald in finanzielle Schwierigkeiten und sah sich gezwungen, bei der Gemeinde 1000 Patacons zu leihen, die er dann allerdings nicht zurückzahlen konnte oder wollte, so dass die Gemeinde gerichtlich gegen den Herrn von Ruyff vorgehen musste. Als der vom Gericht dazu beauftragte Forstmeister des Herzogtums Limburg dem Schlossherrn die Nachricht überbringen wollte, man werde zwecks Deckung der Schulden den Croonenborgschen Besitz pfänden und verkaufen, erschien die Schlossherrin, eine geborene van der Heyden genannt Belderbusch, und erklärte ihm, das Limburger Gericht habe keine Gewalt in Ruyff. Der Forstmeister begab sich nun über den Hof in Richtung der Stallungen, wo er zwei Rindtiere erblickt hatte, die er sofort pfänden wollte. Dazu kam er jedoch nicht, denn die adlige Dame entriss ihm das Papier, das er in der Hand hatte, gab ihm einen kräftigen Schlag auf den Mund und beschimpfte ihn mit Dieb, Gauner usw. Dann erschienen die Töchter des Hauses mit Mistgabeln bewaffnet und der Forstmeister musste sich mit seinem Gefolge zurückziehen. Nachdem er den Hof verlassen hatte, setzte der Mann sich auf den Boden, um das ihm Widerfahrene schriftlich festzuhalten. Und während er damit beschäftigt war, näherte sich ihm unbemerkt Adam-Philippe von Croonenborg. Ohne ein Wort zu sagen, gab er dem armen Forstmeister einen Schlag mit einem Knüppel ins Gesicht. Die blutende Stirnwunde genügte dem wütenden Manne noch nicht. Er holte zu einem weiteren heftigen und gefährlichen Schlag ("un violent et prériculeux coup") auf die Wange aus.

Wie der Forstmeister in seinem später erstellten Bericht schreibt, sei der Knüppel dick und mit einer Eisenspitze versehen gewesen ("estant le dit baston gros et muni d'un fer pointu"). Darauf ging der Herr von Croonenborg in den Schlosshof zurück, um, wie er sagte, seine Feuerwaffen zu holen, nachdem er mehrmals gedroht hatte, er werde den Forstmeister töten.

Nach mancherlei turbulenten Szenen wurde der Besitz der Croonenborg zum Verkauf ausgeschrieben, doch immer wieder gelang es Adam-Philippe, diesen hinauszuschieben.

Als Adam-Philippe starb, hinterliess er seinem gleichnamigen Sohn einen riesigen Schuldenberg. Gemeinsam mit seinem Schwager François-Leopold Brouvelt kam der Herr von Ruyff auf die Idee, sich mit Falschgeld aus der Notlage zu retten. So richteten sie auf Ruyff eine Falschmünzerwerksatt ein und begannen, Dukaten lütticher und niederländischer Prägung herzustellen. Die Sache blieb nicht lange geheim. Die Justiz schaltete sich ein und am 22. Mai 1682 beschloss das Strafgericht, die Schuldigen am nächsten Tag verhaften zu lassen. Da diese es aber vorgezogen hatten, das Weite zu suchen, konnten ihre "Verbannung auf ewig" und der Einzug ihrer Güter nur im Abwesenheitsverfahren verfügt werden. Die Mutter des Schlossherrn, die beim Vertrieb des Falschgeldes tüchtig mitgeholfen hatte, schaffte es dennoch, den Verkauf von Ruyff bis 1708 zu verhindern.

Neuer Besitzer von Ruyff wurde der Baron von Dopff, Feldmarschall in österreichischen Diensten, Reitergeneral in Diensten der niederländischen Generalstaaten, Oberst mit eigenem Dragonerregiment und Gouverneur von Maastricht. Das Schloss und die dazu gehörenden Güter und Ländereien erwarb von Dopff am 8. Mai 1708. Das gesamte Areal hatte eine Fläche von etwas mehr als 97 Bundern; ein kleiner Teil davon lag auf Baelener Gebiet.

Ausser der Schlosskapelle gehörte zu Ruyff eine am Wege von Henri-Chapelle nach Welkenraedt liegende St. Rochus-Kapede, die nach 1560 in vielen Urkunden bzgl. Ruyff genannt wird. In dieser Kapelle befanden sich einige Totentafeln, die heute in der Burg aufbewahrt werden. Die Herren von Ruyff hatten eine eigene Begräbnisstätte in der Pfarrkirche von Henri-Chapelle, und zwar vor dem St. Anna-Altar, für den sie im 17. Jh. eine Stiftung errichtet hatten. Als Herren von Henri-Chapelle hatten sie zudem zeitweilig eine zweite Gruft im Chor der Kirche. Vor dem St. Anna-Altar hatten die Herren von Ruyff auch ihre eigene Bank. Das Altarbild trug ab 1739 das Wappen der Familie Fromenteau, der damaligen Besitzer von Ruyff.

Doch damit greifen wir der Geschichte Ruyffs schon etwas vor. Von Dopff fand die Burg in einem desolaten Zustand vor. Der Bau war durch die finanzielle Notlage der vormaligen Besitzer und durch die Wirren des ausgehenden 17. Jh. stark heruntergekommen. Der zum Garten hin stehende Turm war 1693 von den Franzosen unter Beschuss genommen worden und verfiel zusehends. Die Burg hatte in den kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Ludwig XIV. und den anderen europäischen Mächten eine gewisse Rolle gespielt. Zeitweilig war sie Residenz des Gouverneurs von Limburg, Don Francisco Hernandez. Am 1. Juli 1690 gab dieser auf Ruyff dem Gerichtsschreiber von Henri-Chapelle, Daelen, den Befehl, am nächsten Morgen in der Frühe mit Arbeitern zu erscheinen, um die Befestigungsanlagen von Ruyff abzubauen und nach Henri-Chapelle zu bringen. Am 16. Juli erhielt derselbe Daelen von Hernandez den Befehl, früh am nächsten Morgen Arbeiter auf das Schloss zu schicken, um die Palisade wiederaufzurichten und die anderen Befestigungen wieder in Stand zu setzen! Auch musste Daelen für Erfrischungen für die von Hernandez aus Aachen mitgebrachten Soldaten sorgen.

Das Innere des Schlosses bot einen traurigen Anblick. Von Dopff liess den Bau total entkernen. Nur der alte Kamin im Salon blieb erhalten.

Nachdem er viel Geld in den Umbau gesteckt hatte, verkaufte von Dopff, der nie auf Ruyff gewohnt hat, dieses im Jahre 1716 an Frangois Beaumont. Nach dessen Tode i.J. 1736 wurde der hochverschuldete Besitz verkauft und ging an François de Fromenteau, dessen Sohn Lambert Antoine Generaleinnehmer der herzoglichen Domänen in Limburg, den Landen von Overmaas und der Herrschaft Sprimont war. Joseph II. ernannte ihn 1784 zum Baron. Er starb auf Schloss Ruyff am 9. Juli 1831.

Ruyff ging nun an eine der beiden Töchter de 'Fromenteau's, Frau von Waha-Baillonville. Am 31. Oktober 1853 verkaufte Baron de Waha den Besitz an den Freiherrn Florent de Thiriart für die Summe von 200.000 F. Durch Erbfolge kam Ruyff sodann an den Baron Gaston de la Rousselière, der das Schloss 1898 den zur deutschen Ordensprovinz gehörenden Lazaristenpatres aus Theux vermietete. Die vor allem als Volksmissionare tätigen Lazaristen, auch Vinzentiner genannt, waren im Kulturkampf aus Deutschland ausgewiesen worden. Da das Haus in Theux zu weit von der Grenze ablag, wechselten sie in das grenznahe Ruyff über. Das Haus in Theux, (heute Lehrerseminar, eine sog. Ecole Normale), ging ihnen nach dem 2. Weltkrieg verloren. Am 15. Januar 1907 kauften die Patres das alte Haus, das sie noch heute besitzen.

Aus "LES DELICES DU DUCHE DE LIMBOURG von Guy POSWICK" und Zeitschrift "Im Göhltal".


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