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Entdecken - Die Burgen - Die Burgenroute  SCHLOSS SINNICH (Teuven)  Druckansicht
Liste der Burgen

 

Das ehemalige Augustinerinnen-Stift von Sinnich zu Teuven.

Angelehnt an einen bewaldeten Berghang und inmitten eines prächtigen Parks, den die Gülpe durchfliesst, an der Strasse Sippenaeken-Teuven, dort, wo diese nach einem kurvenreichen Abstieg aus dem Wald von Beusdael das Tal der Gülpe erreicht, liegt rechter Hand etwas versteckt das ehemalige Kloster Sinnich.

Der imposante, langgestreckte, zweigeschossige Bau unter Mansardendach mit siebzehn Achsen in der Vorderfront, von denen die drei mittleren mit dem Haupteingang im Risalit von je sieben Achsen symmetrisch flankiert werden, trägt die Handschrift des genialen Aachener Architekten Johann Jos. Couven, der ihn 1754 im Auftrag der damaligen Äbtissin Anna-Carolina von Berghe von Trips entwarf.

Wie im Rhein-Maas-Gebiet bei repräsentativen Gebäuden üblich, besteht Sinnich aus heimischen Backsteinen, die horizontal durch einen hellen Kalksteinsockel sowie ein Kalksteinband über dem zweiten Geschoss gegliedert sind. Vertikal wird die lange Vorderfront durch Blausteinrahmen, die den Mittel- und zwei Eckrisalite von einander abheben, aufgelockert.

Der Mittelrisalt wird bekrönt von einem mächtigen Ziergiebel unter geschwungenem Dach, den das Wappen der Bauherrin mit der Jahreszahl 1754 ziert. Das gleiche Wappen findet sich in der Stirnseite der grossen zum Haupteingang führenden Freitreppe, hier mit der Jahreszahl 1756.

Im Erdgeschoss befinden sich 8 grosse Räume, die ursprünglich der Äbtissin und ihren Gästen vorbehalten waren. Im Obergeschoss lagen der Kapitelsaal und die Räume der Schwestern.

Im grossen Klosterpark sprudelt die Quelle der seligen Maria (Fons Beatae Maiae) die der ganzen Anlage auch ihren Namen gegeben hat.

Poswick beschreibt Sinnich wie folgt: "Durch ein schönes Portal führt eine Allee zu einem Hof. Links befanden sich die frühere Brauerei und die Krankenstation, heute Wohnhaus und Stallungen des Pächters des Bauernhofes.

Rechts lagen die heute zum grossen Teil abgerissenen Pferdeställe und Scheunen. Vor dem Besucher liegt die ehemalige Klosterkirche. Im Nordwesten des Turms erstreckte sich der Wohntrakt der Äbtissin und der Kanonissinnen, im Osten die Wohnung des Klostergeistlichen und die Unterkünfte des Dienstpersonals. Diese Gebäulichkeiten umschlossen einen kleinen Innenhof."

Von der ursprünglichen Anlage des Stiftes Sinnich, das für adlige Damen gedacht war, können Ar uns heute nur noch schwer eine genaue Vorstellung machen. Es war eine im Viereck gebaute geschlossene Anlage, deren innen gelegener Kreuzgang den Friedhof der Schwestern umschloss.

Der Ursprung dieses adligen Stifts geht auf das Jahr 1243 zurück, als den bis dahin in Rolduc/Herzogenrath ansässigen Augustinerinnen durch den Lütticher Fürstbischof Robert de Langres die Genehmigung erteilt wurde, im Tal der Gülpe ein neues Kloster zu errichten.

In der limburgischen Herrschaft Rolduc hatte 1101 ein Kathedralpriester von Tournai, der Prämonstratenser Ailbert, eine Abteigründung vorgenommen, deren Kirche 1108 durch den Lütticher Bischof Otbert konsekriert wurde. Die Mönche dieser Abtei lebten seit 1139 nach der Regel des hl. Augustinus.

Der Männerabtei folgte sehr bald ein Frauenkloster, von dem aus neue Gründungen ausgingen, nämlich in Marienthal (D) und in Schaarn bei Maastricht. Die drei Frauenklöster standen unter der Leitung des Abtes von Rolduc.

Da diese Häuser sich sehr günstig entwickelten, suchte Abt Marsilius zu Beginn des 13. Jahrhunderts nach einem passenden Ort für eine Neugründung, wo alle Schwestern zusammen leben konnten. Das Kloster Rolduc verfügte über Grund und Boden in Teuven; so fiel die Wahl für das neue Damenstift auf diesen Ort.

Ende 1243 konnten de Schwestern den Klosterneubau beziehen. Der Weiler besass schon zwei Kapellen, die eine in Obsinnich, die andere in Niedersinnich (Sinnich). Eine eigene Kapelle erhielten die Schwestern erst gegen Ende des 13. Jahrhunderte Diese nahm den südöstlichen Hügel des Priorats ein. Eingeweiht wurde sie im Jahre 1297. Es war ein langgestreckter Rechteckbau mit Tonnengewölbe in Holz und Westturin.

In eher leben, der hl Barbara geweihten Annexkapelle, befanden sich die Grabmäler der Herren von Beusdael.

1760 wurde die Klosterkirche auch für die Gläubigen der Umgebung zugänglich. Für sich behielten die Schwestern lediglich den Chorraum.

Während mehr als fünf Jahrhunderten erlebte das adlige Damenstift von Sinnich alle Höhen und Tiefen. Auf Zeiten des Wohlstands folgten solche der Armut und Not, auf religiösen Eifer Lockerung von Disziplin und Moral. Man weiss, dass es den vermögenden und selbstbewussten adligen Damen nicht immer leicht gefallen ist, sich in ein frommes Klosterleben zu fügen... Die Anwandlungen von Selbständigkeit und Freiheit wurden dadurch begünstigt, dass die Klosterfrauen beim Eintritt in die Gemeinschaft nur sehr beschränkte Gelübde ablegten. Sie verwalteten weiterhin ihr eigenes Vermögen und konnten auf Wunsch in ihre Familie zurückkehren. Wen wundert es, dass unter solchen Bedingungen die Klosterdisziplin sich lockerte ?

Eine Reform des Klosterlebens versuchte erstmals gegen Ende des 15. Jahrhunderts die aus Walhorn stammende Äbtissin Maria von Walhorn (1487-1508). Wie die "Annales Rodenses" berichten, geschah dies auf Initiative des Abtes von Rolduc, der 1495 vier ursprünglich mit einer Klosterneugründung betraute Schwestern aus Holtzem bei Neuss nach Sinnich berief mit dem Auftrag, dort die herunter gekommene Klosterdisziplin zu erneuern.

Die Nachfolgerin der Maria von Walhorn war die mit 25 Jahren zur Abtissin gewählte Odilia von Ratloe. Diese führte nicht nur die eingeleitete Reform energisch und zielstrebig weiter, sondern brachte das Kloster auch zu einer neuen wirtschaftlichen Blüte. Mit einer kurzen Unterbrechung führte sie das Kloster bis zu ihrem Tode im Jahre 157 1. Sie erreichte das hohe Alter von 88 Jahren.

Eine beachtenswerte Persönlichkeit war auch die Äbtissin Katharina von Golstein, 1644-1655. Sie widersetzte sich mit Erfolg den Versuchen des Herrn von Draeck, den Hof und die Herrschaft von Sinnich an sich zu reissen. Der von der Äbtissin eingeschaltete Brabanter Oberhof sprach dem Herrn von Teuven lediglich die Hochgerichtsbarkeit über Sinnich zu.

Von 1676 bis 1712 stand Isabelle von Schwartzenberg der Abtei Sinnich vor. Fast ununterbrochene Kriege verheerten das Limburger Land und Sinnich erlebte einen bedrohlichen Niedergang. Zeitweise sehen sich die Stiftsdamen sogar gezwungen, ihr Kloster an der Gülpe zu verlassen und in Aachen ein Refugium aufzusuchen.

Als die Äbtissin Anna-Carolina von Berghe von Trips im Jahre 1747 die Leitung der Abtei übernahm, sah sie es als ihre vordringlichste Aufgabe an, die herunter gekommenen Baulichkeiten wieder in Stand zu setzen bzw. zu erneuern, die in den Wirren des 17. Jahrhunderts verloren gegangenen Einkünfte des Stiftes für die Zukunft zu sichern und die Klosterdisziplin wieder zu straffen.

Unter Kaiser Joseph II., als die rein beschaulichen Orden aufgehoben wurden und auch Sinnich dieses Schicksal drohte, richteten sich die Schwestern an die Limburger Stände und legten dar, dass sie für die Bevölkerung von Nutzen seien. U. a. schrieben sie:

"Das Kapitel von Sinnich war immer bestrebt, sich den Mitmenschen nützlich zu zeigen. Regelmässig hat es Gottesdienst gefeiert, an dem auch die Anwohner teilnahmen. Die bedürftigen Familien der Nachbarschaft und Umgebung wurden durch bedeutende Zuwendungen unterstützt, besonders wenn sie im Falle von Krankheit keine anderen Einnahmen hatten. Den armen Kranken haben wir mancherlei Linderung verschafft durch Fleischsuppen, Kleidung, Wein, Medikamente, Wäsche usw. Während der Ruhrepidemie haben wir diese Zuwendungen noch erhöht, und wir sind entschlossen, es auch weiterhin zu tun..."

Die Abtei Sinnich erlebte einen kurzen Gnadenaufschub. Letzte Äbtissin von Sinnich war Gertrude Françoise Heusch de la Zangrie.

Bald brach die französische Revolution über unser Land herein und die Abtissin musste sich mit ihren Mitschwestern im Dezember 1794 nach Köln zurückziehen. Am 19. Mai 1795 kehrten sie nach Sinnich zurück, doch schon am 1. September 1796 wurden alle religiösen Orden durch Gesetz aufgehoben.

Der Abteibesitz wurde durch den französischen Staat verkauft und durch den früheren Klostereinnehmer Karl Joseph Reul erworben.

Nach dessen Tod geht Sinnich 1809 durch Kauf an Jakob-Emst Soumagne, dessen Tochter Clémentine die frühere Abtei im Jahre 1846 an Emmanual-Victor Coenegracht verkauft. Auf dem Erbwege kommt Sinnich an dessen Sohn Eugène Coenegracht, dessen Tochter Marie-Christine-Eugénie den Grafen Arnold de Sécillon heiratete. Lionel de Sécillon, letzter Bürgermeister von Teuven, trennte sich von dem alten Klosterbau, der nach einem zweiten Verkauf in den Besitz eines niederländischen Industriellen (Dassen) überging. Nach umfangreichen Arbeiten und Anlage eines grossen Parks in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ist das ehemalige adlige Damenstift (leider) mehr und mehr hinter einer immer dichter werdenden Vegetation verdeckt.

Aus "LES DELICES DU DUCHE DE LIMBOURG von Guy POSWICK" und Zeitschrift "Im Göhltal".


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